Schwangere MamaDie Geburt von Lena

 

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12.02.99 - 19.10 Uhr Ankunft in der Klinik.
Wir sind extra die Strecke über Habitzheim gefahren - eine extrem schlechte Straße - aber die Fruchtblase ist noch ganz ,-)))

Gleich hoch in den 10. Stock zum Kreissaal. Gertrudis, die Hebamme ist schon da. Ich freue mich, bei ihr zu entbinden, denn sie hat unseren Vorbereitungskurs geleitet und wir kennen uns daher ganz gut. Erst mal hängt sie mich an das CTG ran. Die Herztöne sind gut, Wehen zeichnet das Gerät seltsamerweise nicht auf. Aber Gertrudis glaubt mir - meine Gesichtszüge sprechen Bände, ca. alle 6 Minuten (soweit ich mich erinnern kann). Dann kommt der formelle Kram, einschließlich der Frage, was ich am nächsten Tag frühstücken will. Ich informiere die Hebamme über die letzte Vorsorgeuntersuchung am Vortag, was der Gyn so gesagt hat. Wir lachen sehr viel. Gertrudis untersucht mich, der Muttermund ist 2 cm weit offen. Dieter meint noch, er hätte wohl besser mal ein paar Computerhefte eingepackt. Die Ärztin Frau Dr. Müller-Matheis schaut noch mal mit dem Ultraschall nach. Mittlerweile ist auch Steffi da, die Jüngste der Hebammen.

Ich zog mir mein Entbindungs-T-Shirt an - dieses riesige T-Shirt hatte ich schon bei Jule's Geburt an. Und Socken, denn ich hasse kalte Strümpfe. Und von Steffi bekam ich dann noch so ein ganz neckiges Netzhöschen.

Ich lasse mir freiwillig einen Einlauf machen. Eine sehr angenehme Sache. Und kein riesengroßes rotes Klistier. Diese Vorstellung spukt wohl der ein oder anderen Frau im Kopf herum. Es war angenehm erwärmtes Wasser. Nach 5 Minuten bin ich dann ziemlich schnell Richtung Toilette gerannt.... und siehe da, der Schleimpropf ging auch mit ab.

Als nächstes bekam ich ein wohlduftendes warmes Vollbad bei angenehmer indischer Musik- herrlich. Auch sehr angenehm für meine Nase, war ich doch sehr stark erkältet und bekam durch die Nase keine Luft. Doch kaum saß ich in der Wanne wurden die Wehen wesentlich stärker. Ich trank noch relativ entspannt meinen Tee, aber nach ca. 20 Minuten hielt mich irgendwie nichts mehr in der Wanne. Der Muttermund war mittlerweile auf 4 cm geöffnet.

Ich bekam dann wieder das CTG angelegt, aber eines mit "Fernübertragung" - wir sind dann auf dem Gang spazieren gegangen. Mittlerweile war ich auch schon gut am Veratmen der Wehen. Spätestens ab hier habe ich jegliches Zeitgefühl verloren. Mein letzter Blick auf die Uhr war um 21.05 Uhr.... Von Steffi bekam ich dann einmal Sepia und später nochmals *wenn ich nur noch wüsste was*. Sie untersuchte mich nochmals und machte den Vorschlag, die Fruchtblase zu sprengen. Vorsichtig ritzte sie ein Loch hinein mit einem Instrument, das wie eine lange weiße Häkelnadel aussah. Dann bin ich wieder vom Bett aufgestanden. Meine Lieblingsposition war stehend, denn Oberkörper auf die Arbeitsplatte gelehnt. Und Augen zu. So veratmete ich einige Wehen. Steffi und Getrudis machten den Vorschlag auf das runde Kreis-Bett umzuziehen. Es ist eines von diesen neuen modernen Betten, die mit Fernbedienung in jegliche Position zu verstellen sind. Ich hoffe, noch ein Bild dieses Bettes zu bekommen und es hier einzuscannen. Man stellte mir das Kopfteil so ein, dass ich im Vierfüßlerstand auf dem Bett kniete.

Meine Tochter war unter den Wehen schwer aktiv. Sie drehte sich immer um die eigene Achse herum. Das hatte zur Folge, dass ich kaum Wehenpausen hatte. Ich atmete mittlerweile die Wehen laut aus, immer schön "AAAAAAHHHH". So laut wie ich wollte. Dieter drückte den Herztonabnehmer von unten gegen meinen Bauch, weil dieses (doofe) Ding ohne Druck die Herztöne nicht bekam (Dieter muss die nächsten Tage ziemlichen starken Muskelkater im Arm gehabt haben ;-))). Kaum war eine Wehe rum, kam auch schon die nächste. Kaum Zeit zum Entspannen zwischendrin. Ich fluchte wohl ein paar mal..... Oft dachte ich: Wieder eine Wehe rum - die kommt nicht wieder. Aber diese Vierfüßlerstellung war genial. Wenn ich mir im nachhinein vorstelle, auf dem Rücken gelegen zu haben.... nein, so konnte ich wunderbar alle Luft aus mir rauslassen.

Ich glaube, zwischendurch wurde ich wieder untersucht und der Muttermund hatte sich auf 8 cm geöffnet. Ich schniefte weiter und weiter, Dieter hielt brav den Knopf auf den Bauch, obwohl ihm des öftern wohl der Arm eingeschlafen sein muss. Ich bekam das nur so am Rande mit. Ich war mit Atmen beschäftigt. Seltsamerweise hatte ich eine freie Nase - das wundert mich jetzt noch, denn ich war so erkältet, die Tage danach waren noch sehr heftig, ich konnte nicht flach liegen, da bekam ich keine Luft.

Irgendwann bemerkte ich hinter mir eine gewisse Geschäftigkeit. Gertrudis rasierte mich noch schnell. Was genau da passierte, weiß ich nicht. Ich verspürte auf einmal nur noch den Wunsch zu drücken. Ich will drücken, waren meine Worte und ich wartete auf den Startschuss. Bei der Entbindung mit Jule durfte ich erst auf "Zuruf" drücken. Und dann hatte Karola ja noch erzählt, dass die ersten "Presswehen" das Kind erst in das Becken reinschieben. In dieser Zeit habe ich viel gedacht - ob ich drücken soll oder nicht. Irgendwann konnte ich auch gar nicht mehr anderes. Ich rief nur noch: Ich drücke jetzt. Irgend jemand sagte ja..... Und dann war da dieser Druck - ein bekanntes Gefühl von Jule's Geburt. Und auf einmal wusste ich, was ich zu tun hatte. Klar, ich musste pressen ;-))) Wie soll ich sagen - ich wusste, bald ist es geschafft, ich bin auf der "sicheren Seite". Einfach ein für mich bekannter Vorgang. Die ersten Presswehen drückte ich noch gar nicht richtig, so mit Luftanhalten, sondern ich atmete noch aus. Gertrudis meinte, ich solle richtig drücken. Ich war immer noch im Vierfüßlerstand. Um nichts in der Welt wollte ich diese Position ändern. Ich presste was das Zeug hielt. Aber fragt nicht, wie oft. Ich weiß es nicht. Ich presste so lange ich konnte. Und jede neue Presswehe kündigte ich an. Jetzt wieder - warum ich das machte, weiß ich nicht....

Irgend jemand sagte, das mein Kind viele Haare   hätte. Meine Gedanken: Ja ja, das sagt ihr wohl jeder..... Überhaupt gingen mir in der Pressphase so viel sinnlose Gedanken durch den Kopf - ein Schwachsinn sondergleichen. Dass ich  nicht überlegt habe, was ich morgen kochen soll, war alles. Aber ich dachte an Windeln, an Jule's Geburt und viel mehr.

Und dann war da ein riesiger Druck - ich wusste, dass ist der Kopf. Plup, da war er (der Kopf... kein Junge!!!). Ich hob mein T-Shirt hoch, ich konnte den Kopf unten sehen. Und weiter pressen - nächste Wehe. Mit einem riesigen Plup kam mein Kind aus mir raus. Da ist sie, da ist sie. Ich hatte schlagartig keine Schmerzen mehr. Da lag unser Lenchen. Dieter nabelte sie ab. Ich stand da immer noch im Vierfüßlerstand und schaute unter meinem Bauch durch. Lena war voller Käseschmiere. Sie sah klasse aus. Dann bekam ich sie hoch zu mir gelegt. Die Ärztin verpasste mir sofort eine Spritze, damit sich meine Plazenta löst. Das ist bei Jule's Geburt ein Problem gewesen.

Und Lena lag vor mir. Ich streichelte sie und dann hob ich erst mal die Tücher weg, um zu sehen, ob sie wirklich ein Mädchen war, wie der Frauenarzt vorhergesagt hatte. Und dann kam mein Blick auf die Uhr. Es war noch vor 24.00 Uhr!!! Ich wollte nicht, dass Lena am 13.02.99 auf die Welt kommt, da hat schon Freddy Geburtstag, der Mann meiner Freundin.

Dann sollte ich mich auf den Rücken drehen. Ich hatte allerdings leichte Koordinationsprobleme und wusste gar nicht mehr, wo rechts und links war. Lenchen lag auf meinem Bauch und ich bot ihr schon meine Brust an.

Mit zwei heftigen Wehen kam dann problemlos die Nachgeburt heraus. Ich konnte alles sehen und die Hebammen erklärten mir auch, was sie jetzt untersuchten. Dann wurde erst mal das Bett mit Fußstützen versehen, damit ich genäht werden konnte. Ich war gerissen. Aber für die Ärztin und die Hebammen kein Problem. Ich empfinde den Riss jetzt auch im nachhinein betrachtet und gefühlt als wesentlich angenehmer, da ich wirklich nur da gerissen bin, wo die Haut derart gespannt war und somit auch kein Blut drin war. Ich hatte kaum Blutergüsse und Schwellungen und saß nach einem Tag auch schon wieder. Bei Jule habe ich damals noch einen Schwimmreifen benötigt.

Während ich genäht wurde, kümmerten sich Steffi und Dieter um Lena. Erst mal wurde sie von Dieter fotografiert....Sie wurde etwas abgewaschen und bekam die ersten Vitamin K Tropfen. Die Ärztin erzählte mir einiges Lustiges, damit ich vom Nähen abgelenkt war. An das Nähen habe ich schlechte Erinnerungen gehabt. Aber hier hat das Betäubungsmittel gewirkt und es war einfach nur unangenehm. Zumal mir meine Beine derart gezittert haben. Trotzdem hatte ich das Gefühl, es dauert ewig...... Ich war froh, wie es fertig war, ich wollte mein Kind wieder in den Arm. Ich war mittlerweile voller Elan, ich wollte nur noch laufen. Der Kreislauf spielte auch voll mit. Wir bekamen ein ruhiges Zimmer und konnten dann richtig Kontakt mit Lena aufnehmen. Sie hatte zwar geschlossene Augen, war aber wach. Und sie hat schon richtig an meiner Brust getrunken. Lena hatte einen wahnsinnigen Sog drauf.

Dieter ging gegen 1.30 Uhr nach hause, er hatte doch Jule versprochen, zum Frühstück wieder da zu sein. Die Nachtschwester brachte noch ein Bettchen für Lena. Ich versuchte zu schlafen, 2 Stunden habe ich es geschafft. Dann bin ich im Zimmer auf und ab gewandert. Gegen 5 Uhr morgens wurde ich dann in das eigentliche Zimmer geschoben zu zwei anderen Müttern. Wir drei Frauen schliefen dann noch bis sieben Uhr.

Im Krankenhaus blieb ich noch 3 1/2 Tage bis Dienstag morgen.

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