Woche 37

 

Auf geht es zum Endspurt!

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Donnerstag, 11. Februar: Der lang ersehnte Termin beim Frauenarzt - das Ende der Einnahme der Wehenhemmer ist in Sicht.
Ich freue mich schon die ganze Zeit darauf. Kommt unser Mäuschen dann bald? Bei einigen Frauen mit heftigen Wehen und Einnahme von Wehenhemmer tat sich ja überhaupt nichts nach dem Absetzen der Tabletten.... Mal abwarten, wie eilig es Möller2 hat.

Auf dem CTG waren einige Wehen zu sehen, die ich auch heftig spürte. Mein Gyn war aber damit zufrieden. Dann haben wir den weiteren Fortgang besprochen. Kein sofortiges Absetzen der Wehenhemmer, sondern ganz langsam bis Dienstag immer wieder eine Stunde länger warten mit der nächsten Tabletteneinnahme. Also gut, wenn es anders nicht gehen soll, dachte ich so bei mir. Ich war ja eher für die "Alles oder nichts"-Methode... :-)))

Danach durfte ich dann erstmal noch auf den Untersuchungsstuhl klettern. Mittlerweile klettere ich wirklich, denn mein Bauch ist mir schon im Weg. Er ist nicht sehr dick, ich habe schon wesentlich rundere Schwangere gesehen. Aber bei manchen Dingen ist er im Weg, z.B. Schuhe zubinden.

Zuerst die gute Nachricht vom Doc: Das Scheidenmilieu ist noch schön sauer und kein Fruchtwasser.

Und dann lachte er. Einfach so. Mein Frauenarzt grinste über das ganze Gesicht. So habe ich ihn noch nie vorher grinsen sehen. Lächelnd meinte er nur trocken: Die Tabletten brauchen sie nicht mehr bis Dienstag nehmen. HÄÄÄÄ??? dachte ich, was meint er??? Ihr Muttermund ist 2 cm weit offen und komplett verstrichen. Und dann deutete er an, dass ich auch keine lange Geburt haben würde.

Immer noch mit einem riesigen Fragezeichen im Gesicht zog ich mich wieder an, während er alle Daten in den Mutterpass eintrug. Darin steht jetzt nur: Geburtsbereiter Zustand!!!!!!!!! Auf dem anschließenden Ultraschall wurde dann leider noch festgestellt, dass ich nicht mehr allzuviel Fruchtwasser habe. Ansonsten war aber soweit alles in Ordnung.

Immer noch grinsend meinte Dr. Schöberl, ich solle mir mal noch einen Vorsorgetermin in einer Woche geben lassen. Ich könnte ja anrufen und absagen.

Ich verließ die Praxis irgendwie so halb in Trance und mußte im Auto mir das ganze noch mal ganz langsam durch den Kopf gehen lassen. Und dann grinste auch ich. Also gut, dann bekommen wir mal ein Kind - das sagte ich mir dann den ganzen Heimweg so vor mich hin.

Zuhause habe ich dann erstmal meine Tasche umgepackt. Ich hatte nämlich noch lauter Umstandsklamotten gepackt. Diese Wehenhemmer scheinen auch manchmal heftig das Hirn zu hemmen.

Um 12.00 holte ich Jule vom Kindergarten ab. Sie war total knatschig und kochendheiß; sie hatte 40,4 Fieber. Der Gedanke an eine Entbindung war schlagartig weg, aber mein Bauch sprach andere Töne. Ich war so aufgeregt, auch vor allem über das Fieber von Jule, dass ich schon regelmäßig alle 10 Minuten Kontraktionen hatte. Sie waren nicht schmerzhaft aber absolut spürbar. Als erstes rief ich bei unserer Kinderärztin an und ließ mich mal beruhigen. Jule schob ich dann doch ein Fieberzäpfchen in den Po und ließ meine Maus erstmal schlafen. Dann sagte ich meiner Haushaltshilfe, die ich zur Unterstützung von der Krankenkasse hatte, ab, denn ich wollte meine Ruhe und konnte jetzt niemanden um mich rum gebrauchen. Ich stopfte noch 2 Maschinen Wäsche durch Waschmaschine und Trockner. Dann rief ich erstmal Dieter an und erzählte von unserem kleinen Chaos. Leider konnte er noch nicht weg. Und ich saß da. Total verunsichert. Obwohl ich bzw. wir dass doch ein paar Mal durchgesprochen hatten. Aber ein hochfiebriges Kind dazu, dass war nicht geplant. Auf einmal wußte ich nicht mehr, wann ich in die Klinik sollte. In welchen Abständen sollten die Wehen kommen? Darf ich noch laufen, wenn die Fruchtblase platzt? Was mache ich, wenn ich zu früh bin???? Ich war "total daneben".

Und dann habe ich erstmal meine Hebamme angerufen. Das war das einzig Wahre in diesem Zustand. Karola beruhigte mich und meinte, dass ich das ganz alleine merken würde. Es gäbe da so keine Richtwerte. Und ein Fehlalarm wäre doch kein Beinbruch. Damit war ich wirklich beruhigt. Und meine Wehen waren auch weg.

Am Nachmittag wachte Jule dann nach 3 Stunden Mittagsschlaf auf und hatte, oh Wunder nur noch 37,5 Grad Temperatur. Der Rest vom Tag und die Nacht verliefen wie immer.

Am nächsten Tag hatte Jule leider wieder 39 Fieber und ich ließ sie erstmal aus dem Kindergarten raus. Um 11.00 Uhr nahm ich wieder eine Wehenhemmertablette, brav mit der ärztlich verordneten Zeitdifferenz. Die Wehen waren unterschwellig wieder da gewesen und ich hoffte, dass sie mit dieser Tablette wieder verschwanden. Julchen war trotz Fieber nicht knatschig, sondern spielte alleine und war ganz lieb. Um 13.00 Uhr kamen die  Wehen alle 10 Minuten. Jule machte Mittagsschlaf und ich legte mich aufs Sofa. Dann rief Dieter an und sagte, er würde um 15.00 Uhr zuhause sein. Ich wollte die Ruhezeit noch nutzen und noch am PC arbeiten. Ich machte die eine Buchhaltung noch fertig und telefonierte noch ein bißchen geschäftlich. Und mit Brita habe ich telefoniert. Sie  bot mir nochmals ihre Unterstützung an, die ich großzügig ablehnte...
Jule hatte mittlerweile wieder 40 Grad Fieber.
Und zwischendrin habe ich schon ganz heftig die Wehen gespürt. Als Dieter zuhause war, haben wir besprochen, dass ich jetzt keine weitere Tablette einnehme, wenn die Wehen jetzt so regelmäßig kämen. Auf einmal bekam ich tierischen Hunger. Ich kochte dann mal noch Putengeschnetzeltes mit Gemüse und wir haben alle gemütlich gegessen. Ich habe 2 Portionen in mich reingemampft - ich hatte einen riesigen Hunger.

Und dann gings los - nein nicht die Entbindung - nein, der Telefonmarathon: Wer paßt auf Jule auf? Karen war ja schon in "Bereitschaft" versetzt worden. Aber so früh hatte sie nicht mit unserem Anruf gerechnet, schließlich waren ja noch 3 Wochen Zeit. Und genau an diesem Freitag abend war hier im Ort Faschingstreiben.....

Also die nächsten und irgendwie auch die letzten in der Nähe: Die Nachbarn - auch Faschingstreiben.

WAS TUN? Brita..... ein Anruf und sie saß im Auto. Ließ extra eine Verabredung sausen. Das nenne ich Freundin. Ohne lange Worte kam sie einfach.

Ich richtete derweil das Gästezimmer für sie und bezog noch das Bett. Dann bekamen wir noch unsere bestellten Bratwürste geliefert, die ich noch eintütete und in die Gefriertruhe brachte. Dann rief noch ein Freund an und wollte diverse Arbeitsunterlagen abholen. Ja, er könne kommen, aber wenn schnell, wir wollten dann doch noch ins Krankenhaus - meinte Dieter, weil Susanne ja Wehen hätte. Ich war im Gegensatz zum Vortag total ruhig und die ganze Hektik um mich rum konnte mir gar nichts abhaben. Selbst die Wehen, die jetzt alle 5 Minuten kamen, konnte ich locker wegatmen. Wir gaben dann Werner noch seine Unterlagen und dann haben wir erstmal Jule ins Bett gebracht. Eigentlich noch viel zu früh um 18.30 - aber dann konnten wir noch ihren gewohnten Ablauf durchziehen, weil sie doch noch so hoch Fieber hatte.... Zähneputzen, Geschichte etc. Dieter erzählte Jule dann noch, das wir jetzt in die Klinik fahren würden, und das morgen ihre Schwester auf der Welt wäre und sie sie dann im Krankenhaus besuchen dürfte. Ich habe dann noch in der Klinik angerufen und uns angekündigt, damit die Schwestern die Hebamme anrufen könnten. Ich bekam die Auskunft, das Gertrudis bereits unterwegs war.

Ich gab derweil Brita "Anweisungen": "Da steht noch Essen", "Du weißt ja, wie der PC angeht", "die Getränke stehen im Keller", "hier sind die wichtigsten Telefonnummern". Brita sagte nur brav "Jaja" :-)))))

Dieter kam dann aus Jule's Zimmer, schnappte sich die Tasche und ab ins Auto. Ich winkte Brita noch mal zu. Ich wußte Jule in sehr guten Händen, dass war mir sehr sehr wichtig.

Und in diesem Moment konnte ich loslassen - so richtig loslassen vom Alltag und mich auf das Bevorstehende gedanklich vorbereiten.....

Ich möchte an dieser Stelle Brita von ganzem Herzen danken. Sie hat einen wesentlichen Anteil an der schönen Geburt, die ich erleben konnte. Durch ihre unkomplizierte Art und ihre spontane Zusage uns zu helfen, hat sie mir so viele Gedanken und eine gewisse Last von meinen Schultern genommen.

Brita, herzlichen Dank - ich kann es nicht oft genug wiederholen *Küßchen*!!!!!!!!!!!!!

Um 19.10 Uhr waren wir in Gross-Umstadt in der Klinik..... demnächst mehr.....alles von der Geburt!!!!

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